Presseerklärung: Betreibt das idisb e.V. (vorm. wüstenstrom) Konversionstherapie swap_horiz

1. Wir haben zu keinem Zeitpunkt „Konversionstherapien“ durchgeführt, haben Konversionstherapien in der Vergangenheit abgelehnt und lehnen sie auch in der Zukunft ab!

Wir haben kein Problem mit dem Verbot von „Konversionstherapien“, da wir seit Jahren öffentlich erklären, dass wir keine Konversionstherapie durchführen. So haben wir in der Vergangenheit bereits mehrfach öffentlich erklärt, dass wir die Methoden von Konversionstherapien als unmenschlich und schädlich ablehnen. Daher sprechen wir uns ebenso wie der Bundesgesundheitsminister für ein Verbot von „Konversionstherapien“ aus.

2. Wir lehnen Maßnahmen zur Konversion ab, in denen Menschen durch spirituelle Methoden eine Veränderung ihrer sexuellen Orientierung versprochen wird

Ebenso haben wir in der Vergangenheit öffentlich erklärt, dass wir solche spirituellen Maßnahmen ablehnen, mit denen Menschen eine Umorientierung ihrer sexuellen Orientierung versprochen oder in Aussicht gestellt wird.

Da wir Menschen kennen, die unter solchen Versprechen in ihrer Psyche und ihrem Glauben geschädigt wurden, und da wir selbst unter solchen Maßnahmen gelitten haben, lehnen wir diese schon immer unzweideutig ab.

3. Wir haben uns von allen Programmen verabschiedet, die Menschen glauben machen könnten, ihnen wird durch die Begleitung von uns eine Veränderung ihrer sexuellen Orientierung in Aussicht gestellt

So haben wir öffentlich erklärt, dass wir vor über 15 Jahren die inhaltliche Verbreitung des amerikanischen Programm „Living Waters“ aufgekündigt haben und damit auch die Zusammenarbeit mit der Organisation „Desert Stream Ministries“ in den USA.

Öffentlich haben wir auch erklärt, dass der Grund für diesen Schritt in einer Untersuchung der Wirkung des Living Waters Programms auf Menschen mit homosexuellen Empfindungen war. So stellten wir fest, dass diese Menschen zu einem magischen Glaubensverständnis neigen und Veränderungen in das Programm projizierten, die so vom Programm nicht beabsichtigt waren, aber doch von den betroffenen Menschen so verstanden wurden. Da wir diese Rezeption des Programms als schädlich für die freie Entfaltung der Person erachteten, haben wir den anbietenden Seelsorgegruppen in den christlichen Gemeinden ein alternatives Konzept empfohlen und von uns aus das amerikanische Programm nicht weiter vertrieben.

4. Wir sind kein Anbieter einer „Veränderungstherapie“ oder „Veränderungsberatung“

Wir bieten keine Veränderung der sexuellen Orientierung an und haben dafür auch kein Programm, mit dem eine solche Veränderung gezielt fokussiert werden könnte, da Sexualität selbst keiner Veränderung zugänglich ist. Dies haben wir im mehreren Erklärungen immer wieder neu zum Ausdruck gebracht.

Seit Jahren wird unser Beratungsangebot von Menschen angenommen, die ihre erlebte Sexualität oder ihre Geschlechtlichkeit aus verschiedenen Gründen nicht in ihr Leben und in ihr Selbst integrieren können. Dazu gehören Menschen mit allen möglichen Sexualitäten.

Im Mittelpunkt der Beratung steht daher die Frage, was den Menschen hindert, seine erlebte Sexualität in sein Leben und in sein Selbst zu integrieren. Im Prozess der Beratung schildern Ratsuchende am häufigsten:

  • Sie könnten ihre erlebte Sexualität nicht in ihren moralischen Lebensentwurf integrieren.
  • Sie empfinden ihre erlebte Sexualität nicht als befriedigende Praxis.
  • Sie erleben ihr sexuelles Verhalten als zwanghafte Form der Sexualität.
  • Sie formulieren, dass sie die Sexualität gebrauchen, um nicht-sexuelle Konflikte, an denen sie leiden, zu kompensieren.
  • Sie haben Angst vor sozialen Konsequenzen und Stigmatisierung, wenn sie ihre erlebte Sexualität als Lebensform veröffentlichen.

Wir begleiten das Erleben, die Fragen und die vom Ratsuchenden entdeckten Konflikte ergebnisoffen oder verweisen auf andere professionelle Angebote der Psychotherapie, da wir selbst nur psychologische Beratung anbieten.

Da wir viele Formen des sexuellen Begehrens begleiten, möchten wir zur Gruppe der Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen insbesondere Folgendes erneut erklären.

  • Wir begleiten Menschen, die ihre gleichgeschlechtlichen Empfindungen in einer Partnerschaft verwirklichen wollen,
  • aber auch Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen, die ihre Orientierung nicht ausleben oder veröffentlichen wollen.

5. Menschen machen die Erfahrung der Veränderung ihrer erlebten Sexualität

Bei Menschen, die bei uns Beratung suchen, kann es zur Veränderung der erlebten Sexualität kommen. Hierzu erklären wir, dass diese Veränderungen nicht Ergebnis eines darauf fokussierten Prozesses sind. Vielmehr geschehen solche Veränderungen beiläufig. Sie können daher keinem Menschen versprochen oder als Ziel der Beratung in Aussicht gestellt werden und sind zu keinem Zeitpunkt Ziel der Beratung oder irgendeiner Beratungsvereinbarung.

Solche Veränderungen sind in der Gesamtbevölkerung ohne Begleitung genauso zu finden, weshalb nicht immer klar ist, warum eine solche Veränderung plötzlich eingetreten ist. Wir akzeptieren sie als etwas, das einem Menschen in seinem individuellen Kontext geschieht und führen es auf die Fluidität der Sexualität zurück.

6. Beratungsvereinbarung bei Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen

Da immer wieder Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen auf uns zukommen, haben wir für diese Menschen besondere Anforderungen an eine Begleitung durch uns entwickelt. So erarbeiten wir mit allen Personen, die eine homosexuelle Neigung in ihrem Leben kennen (entweder vollkommen homosexuell, vorwiegend homosexuell und ein wenig heterosexuell, homosexuell wie heterosexuell, mehr heterosexuell und weniger homosexuell) einen speziellen Kontext, in dem die Begleitung stattfinden kann. In diesem Zusammenhang werden vor allem folgende Punkte durchgearbeitet:

  • Der Ratsuchende wird darüber informiert, dass wir keine Konversionstherapie oder Reorientierungstherapie durchführen.
  • Der Ratsuchende wird darüber informiert, dass eine Veränderung der sexuellen Orientierung nicht Ziel der Beratung ist.
  • Der Ratsuchende wird angehalten, sich mit verschiedenen Verwirklichungsformen der Homosexualität zu beschäftigen und Organisationen aufzusuchen, die ihn bei der Ausbildung einer sexuellen Identität unterstützen.
  • Der Ratsuchende wird informiert, dass er sein homosexuelles Begehren immer in sein Leben integrieren muss, da es Teil seines Lebens ist.
  • Der Ratsuchende wird informiert, dass man in der Beratung an der Integration des homosexuellen Begehrens arbeiten kann und an psychischen Konflikten, die sich funktional mit der Sexualität verbunden haben. Er wird gleichzeitig darüber aufgeklärt, dass das Ziel der Beratung die Verbesserung des Allgemeinbefindens ist. Es wird explizit betont, dass aus der Bearbeitung des psychischen Konfliktes nicht gefolgert werden kann, dass sich dadurch eine Veränderung der sexuellen Orientierung einstellt.
  • Der Ratsuchende wird darüber informiert, dass die Beratung ergebnisoffen ist und nur auf der Basis der Freiwilligkeit durchgeführt werden kann. Ein Abbruch der Beratung durch den Ratsuchenden ist zu jeder Zeit möglich.
  • Ratsuchende werden darüber informiert, dass es regelmäßige, halbjährliche Auswertungsgespräche gibt, in denen die Wirkung der Beratung auf das psychische Allgemeinbefinden reflektiert wird, und dass er zu jedem Zeitpunkt der Beratung andere Hilfe in Anspruch nehmen darf.

gez. Markus Hoffmann, Vorsitzender des Vorstandes 14.6.2019