Bruderschaft des Weges swap_horiz

Die Bruderschafts des Weges ist eine geistliche Gemeinschaft von Männern, die an ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung leiden oder die sie aufgrund von eigener Glaubensentscheidung nicht ausleben wollen.

  • Zur Bruderschaft des Weges gehören Männer, die gleichgeschlechtlich fühlen und solche, die ihre gleichgeschlechtlichen Gefühle im Laufe der Zeit verändern konnten.
  • Zur Bruderschaft des Weges gehören Männer, die mit einer Frau verheiratet sind und Männer, die ledig sind oder sich bewusst für ein Ledigsein für Christus entschieden haben.

Untenstehender Text will Auskunft geben über die Hintergründe der Bruderschaft und die Prinzipien, denen die Mitglieder der Gemeinschaft folgen.

Warum hat sich die Bruderschaft des Weges gegründet?

Warum haben Männer, die homosexuelle Empfindungen in ihrem Leben kennen, die Bruderschaft des Weges gegründet?

Wir alle haben in der Gesellschaft, gerade aber auch hautnah im vertrauten Bereich unserer eigenen Kirchen und Gemeindeverbände erlebt, dass bezüglich der sexuellen Orientierung eine Dichotomie vorausgesetzt wird. Also entweder völlig heterosexuell oder völlig homosexuell und das vielleicht sogar noch angeboren und festgelegt. Häufig heißt das dann, dass man die entsprechende Prägung dann auch zu leben habe. Wenn jemand seine Empfindungen aber nicht in einer homosexuellen Beziehung oder in gleichgeschlechtlicher Sexualität verwirklichen möchte - und vielleicht auch Begleitung und Therapie aufsucht - so wird am Ende wie selbstverständlich die Verwirklichung einer heterosexuellen Ehe erwartet - also sozusagen der „geheilte Schwule“ als endlich heimgekehrter verlorener Sohn.

In unserer Bruderschaft tragen wir aber der Tatsache Rechnung, dass alle Männer ihre sexuellen Empfindungen höchst unterschiedlich erlebt und ausgelebt haben und dass jeder ganz individuell feststellt, wie bei ihm die Sexualität und Beziehungswünsche mit der sonstigen Persönlichkeitsstruktur und dem Gewordensein zusammenhängen. Jeder der Brüder bringt also im Umgang mit seinen sexuellen Empfindungen eine individuelle Biographie und eine eigene Motivation mit.

Manche unserer Brüder haben die Entdeckung gemacht, dass ihre Homosexualität in der Vergangenheit damit verbunden war, dass sie ihr eigenes Mannsein abgelehnt hatten. Auch wenn sie diese lebensgeschichtlich geprägten Dynamiken mal mehr, mal weniger hinter sich lassen konnten und heute zu einem guten Selbstbild als Mann unter Männern und manchmal auch schon gegenüber Frauen gefunden haben, weiß niemand von ihnen, wie sich zukünftige Krisen des Mannseins im Verlauf der nächsten Jahrzehnte auf ihr Selbsterleben auswirken werden.

Andere sind vielleicht noch viel stärker von verschiedenen Traumata betroffen. Sie müssen in ihrer Selbstfürsorge täglich darauf achten, Situationen oder auch nur Befürchtungen von Beschämung auf gute Weise zu verarbeiten. Sie haben oft eine hohe Stressbelastung in der Bewältigung ihres Alltags. Da sie diese ständige Belastung nur schwer jedes Mal in vertrauten Beziehungen verarbeiten können, neigen sie manchmal zur Flucht aus dem Alltag und den Beziehungen, in denen sie stehen, und greifen zu gewohnten Beruhigungsmaßnahmen.

Manche kennen eine solche Fluchttendenz vielleicht sogar so, dass sie in der Vergangenheit Sex als Sucht erlebt haben und Pornographie und dergleichen einen großen Raum eingenommen hatten. Sie haben es bis heute besonders schwer, ihre authentischen aktuellen Empfindungen oder ihre tatsächlichen Bedürfnisse im Alltag zu erkennen - in Beziehungen genauso, wie wenn sie mit sich allein sind.

Dann gibt es unter uns auch immer mehr Brüder, die eine Beziehung zu einer Frau gefunden haben oder auch bereits verheiratet sind. Sie müssen mit all dem Neuen zurecht kommen, das das Leben an der Seite einer Frau mit sich bringt - gerade nach langer Zeit ausschließlich oder hauptsächlich homosexuellen Empfindens und Lebens. Sie müssen ihre Rolle als Ehemann und Vater ausfüllen, immer wieder in Berührung auch mit den nicht gelungenen Beziehungserfahrungen mit den eigenen Eltern. Männer wie Andreas müssen in der Bruderschaft die Frage ihrer Zugehörigkeit zu den anderen natürlich wieder ganz neu und anders stellen und sind gleichzeitig auch Herausforderung und Ermutigung für die Brüder, die einen solchen Schritt der Familiengründung nicht oder noch nicht gehen können.

All diese Beispiele machen deutlich, dass die Brüder mit den Schablonen von glücklichem Heterosexuellen oder glücklichem Homosexuellen nichts anfangen können. Aus ihren Lebenserfahrungen heraus ist es für sie sehr klar, dass sie die Sexualität mit einem anderen Mann nicht als etwas Gutes, Gesundes, Schönes wahrnehmen und in ihr Leben integrieren können oder wollen. Sie haben diese Form der Sexualität als Flucht vor den eigentlichen Fragen und Konflikten ihres Lebens wahrgenommen und sich dafür entschieden, sich diesen eigentlichen Fragen ihres Mannseins, ihres Umgangs mit Gefühlen und Bedürfnissen und Bindungen ab jetzt immer wieder explizit zu stellen.

Was heißt für uns Veränderung oder Heilung im christlichen Sinne?

Und weil wir aus dem eigenen Leben wissen, dass die Sexualität nichts Vorgefertigtes, Festes, von psychischen und emotionalen Strukturen und damit von der Lebensgeschichte Losgelöstes ist, halten wir aber auch nichts von Ansätzen, die eine Veränderung (oder von manchen gar „Heilung“ genannt) von sexuellen Empfindungen so erwarten, dass sich aus ursprünglich homosexuellen Empfindungen eine Heterosexualität entwickelt, die so gestaltet wäre, als hätte es nie eine Homosexualität gegeben.

Klar verstehen wir, dass Suchende so etwas für sich erwarten. Und die Homosexuellenverbände fragen auch in genau dieser dichotomisierenden Richtung kritisch: Haben Menschen nach der Begleitung bei wüstenstrom, haben Brüder in der Bruderschaft, die eine Veränderung erlebt haben, noch manchmal einen homosexuellen Impuls oder eine solche Anziehung? Aha, so schlussfolgern sie aus einer bejahenden Antwort, dann hat es auch keine Veränderung gegeben.

Ähnlich fragen ja auch christliche Gemeindeverbände und manche formulieren gar die Vorstellung: Jesus kann und will heilen; und wenn man nur will, kann jeder zur gelingenden Heterosexualität geheilt werden.

Wir in der Bruderschaft dagegen wollen uns solchen Vorstellungen von Heilung nicht anschließen und mit unseren Zeugnissen auch nicht für solche Erwartungen Werbung machen.

Wir haben nicht das Ziel, makellose Persönlichkeiten zu werden - und wir glauben auch nicht daran, dass das Gottes Ziel für uns ist. Wir wollen vielmehr Ja sagen zur Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz und auch der Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit unserer Identität im Wandel der Lebensalter. Daher arbeiten wir weiter daran, Fähigkeiten in uns aufzubauen und zu stärken, die uns helfen, die Spannung zwischen unseren Stärken und unseren Schwächen, zwischen Gaben und Grenzen immer wieder neu in uns zur Ruhe zu bringen - und nehmen jeden Tag auch demütig die Realität unserer lebensgeschichtlichen Verletzung und der daraus gewordenen Schwierigkeiten an.

Sehr wichtig ist uns dabei, dass wir Erfahrungen, die uns geprägt haben, oder Empfindungen, die wir bei uns feststellen, nicht einfach als Gott-gegeben verstehen. Wir können für uns nicht einfach feststellen: ich bin nun mal eben so, dass ich mein Mannsein ablehne; ich bin nunmal so, dass ich sexuell diese oder jene Vorliebe habe; ich bin nunmal so, dass bei mir Bindung und Sexualität nicht zusammen gehören... - und nun rechne ich damit, dass Gott mein So-sein segnet und gut heißt und dass er es womöglich nie anders für mich wollte und auch nichts anderes von mir erwartet. Vielmehr glauben wir fest daran, dass Gott uns mit einer unsterblichen Seele von unermesslicher Würde ausgestattet hat, die dazu bestimmt ist, mit IHM in der Ewigkeit vereint zu sein. Unsere Selbst-Verwirklichung als christliche Männer heute, wenn wir von so etwas sprechen wollen, fragt immer zuerst nach Gottes Schöpfung, nach seinem Heilsplan, nach seiner Berufung für uns - und die Situation, die Gefühle, das So-sein, das wir vorfinden, muss auf Gottes Anrufung antworten.

Und das darf dann auch heißen, dass wir in Spannungen leben, dass wir Grenzen akzeptieren und auf Formen der Selbstverwirklichung, der Sexualität, der Beziehung verzichten.

Lebensgestaltung

Dies kann aber insbesondere durch drei Dinge gelingen, mit denen wir uns in unserer Lebensgestaltung unterstützen: durch beständige Offenheit für Beziehung, durch ein vertieftes Verstehen von Konflikten und dem Zusammenhang von Personsein und Sexualität, sowie durch konkrete Mittel der Alltagsbewältigung im von uns so genannten „Rhythmus des gesunden Lebens“.

Dazu nur einige Sätze mehr zur Erläuterung: wenn wir von der beständigen Offenheit für Beziehung sprechen, zu der wir uns verpflichten und zu der wir uns beständig gegenseitig ermutigen, so haben wir damit sowohl die Beziehung zu Gott wie die Beziehung zu anderen Menschen im Blick.

Wenn wir davon sprechen, dass es uns um ein vertieftes Verstehen von Personsein, Konflikten und Sexualität geht, in dem wir uns immer wieder unterstützen und uns reflektieren, so muss uns klar sein, dass genau dieses tiefere Nachdenken in solchen Zusammenhängen heute längst ein Tabubruch ist. Nicht nur gegenüber kritischen Journalisten, sondern längst auch gegenüber prominenten Vertretern von Gemeindeverbänden auch in evangelikalen Kreisen sind wir im Rechtfertigungsdruck, wenn wir unsere Sexualität im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen oder nicht gelingenden Bindungserfahrungen in unserer Entwicklung betrachten. Das ist eine Konfrontation und eine Spannung, der wir beständig ausgesetzt sind.

Und wenn wir schließlich vom Rhythmus des gesunden Lebens sprechen, dann meinen wir damit, zugespitzt, die gute Erfahrung eines Kindes, das nach der Schule nach Hause kommt und am Esstisch erst unsortiert und ungefiltert seine Erlebnisse und Gefühle teilt, und sich beim Einordnen, Verarbeiten und beim Planen neuer Schritte helfen lässt.

Vielleicht müssen wir dazu sagen, dass wir uns damit zwar immer wieder in unserem Alltag bewusst auf die Ebene begeben, uns von Brüdern gewissermaßen beeltern zu lassen; wir wollen aber dennoch nicht als Psychogruppe verstanden werden. Vielmehr üben wir damit ein, uns mit unserem ganzen Menschsein und Mannsein in die Beziehung zu Menschen und zu Gott hineinziehen zu lassen, uns zuzumuten, und uns auch zumutendes Ansprechen gefallen zu lassen. Das ist für uns immer auch eng verbunden mit geistlichen Aspekten, mit einer Herausrufung durch Gott, dem wir antwortend entsprechen wollen.

Geistliches Leben

Aus all den Ausführungen wird klar, dass wir auch unser geistliches Leben, das uns verbindet, zu dem wir uns eine feste Liturgie gegeben haben, aus dieser Logik heraus entwickelt haben und verstehen.

So ist unser brüderliches Miteinander geprägt von Gebet: jeder betet täglich an dem Ort, an dem er lebt, für sich, auch immer wieder in regionalen Treffen und dann in den zweimal jährlich stattfindenden Retraiten eine Liturgie mit Psalmen und ermutigenden Texten und einem Hingabegebet; über Email- und Whatsapp-Gruppen teilen wir auch regelmäßig Gebetsanliegen, um vor Gott füreinander einzutreten. Dabei gehen wir mit den Anliegen aber nicht nur ins Gebet, sondern suchen das Verbundensein mit dem Bruder durch Ermutigung und Unterstützung oder aber auch durch Ermahnung und Herausforderung. Wir bleiben dann auch am Ball und wollen voneinander hören, was das Gebet bewirkt hat.

Wichtiger Bestandteil unseres geistlichen Lebens ist aber auch die tägliche Gewissenserforschung. Wir wollen Männer sein, die in ihrer Persönlichkeit immer mehr auf Christus hin wachsen; dafür braucht es die regelmäßige ehrliche und selbstkritische Reflexion, was mir am Tage gelungen ist, und wo ich in typische ungute Muster gefallen bin. Stellen wir dabei schwerwiegende Verfehlungen fest, beichten wir einander die Sünden.

Bei den katholischen Brüdern findet die Beichte regelmäßig bei einem Priester statt. Wir halten die Brüder dann auf dem Laufenden, wo wir uns in unserem geistlichen Wachstum befinden.

Überhaupt spielt der sakramentale Vollzug des Glaubenslebens für die Katholiken unter uns eine große Rolle: der regelmäßige Messbesuch, die Eucharistie, die Beichte, aber auch die Seelenführung durch den Priester.

In allem richten wir uns an dem aus, was der Heilige Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuiten-Ordens, in seinen geistlichen Übungen so wunderbar auf den Punkt bringt, wenn er das „Gebet zum Prinzip und Fundament“ formuliert, das ich zum Abschluss vorlese. Es drückt aus, dass wir trotz allem Scheitern in unserem Leben unsere Selbstverwirklichung darin finden, Jesus Christus mehr und mehr gleichgestaltet zu werden, egal, ob wir reich sind oder arm, gesund sind oder krank.

Gebet zum Prinzip und Fundament

Mein Herr und mein Gott,
Du allein weißt,
wie mein Leben durch alles Scheitern hindurch
gelingen kann.

Lehre mich,
dein Angesicht zu suchen,
und dem Geheimnis innezuwerden,
dass ich nach deinem Bild geschaffen bin.

Du allein weißt,
was meiner Mensch-Werdung dient
und wie dein Wirken
an mir offenbar werden soll.

Schenke mir ein großmütiges Herz,
dass ich meinen Weg gehe
in Treue zu dir -
in Gesundheit und Krankheit,
in Reichtum und Armut,
bei Anerkennung und Ablehnung,
in einem langen oder kurzen Leben.

Verfüge über mich nach deinem Willen,
damit ich mehr und mehr
zu dem Bild und Gleichnis werde,
das du dir von mir gemacht hast
zur Verherrlichung deines heiligen Namens.

Amen