Emotiv-Schematheoretische Seelsorge und Beratung swap_horiz

Die Wurzel: Aufbruch Leben

Die Wurzel der akkreditierten Ausbildung zur Emotiv- Schematheoretischen Seelsorge und Beratung (ESSB) ist das Aufbruch Leben Programm, dessen Inhalt und Arbeitsweise durch die beiden Bücher „Aufbruch Leben Programm“ und „Aufbruch Leben Prozesstagebuch“ von anderen Seelsorge oder Beratungskonzepten abgegrenzt wurde.

So war Aufbruch Leben schon immer ein Angebot für Menschen, die mit ihrer Persönlichkeit nicht zurecht kamen, die Schwierigkeiten hatten mit ihrem Mannsein oder Frausein oder die aus unterschiedlichen Gründen mit sexuellen Konflikten zu kämpfen hatten.

Schnell nach Abfassung des über 400 Seiten starken „Aufbruch Leben Prozesstagebuches“, in dem wir die seelsorgerliche und beratende Arbeitsweise des Konzeptes eigentlich für Nicht-Professionelle darstellen wollten, erhielten wir Rückmeldungen von Psychologen und Psychotherapeuten. Sie wiesen uns darauf hin, dass das „Prozesstagebuch“ eher einem therapeutischen Manual glich als einem Buch zur Selbsthilfe.

Nach fachwissenschaftlicher Überprüfung der Kritik, entdeckten wir, dass was wir entlang der speziellen Problemen aus dem Bereich Identität und Sexualität durch Selbsterfahrung und durch eine enge Orientierung an der Lebenswirklichkeit unserer Ratsuchenden entwickelt haben, dem Ansatz der „Schematherapie“ glich.

Da das Konzept Ratsuchenden aber auch Hilfestellung für den Umgang mit schwierigen Emotionen gab (wie Scham, Selbstabwertung, etc.), nannten wir das Konzept „emotiv-schematheoretische Seelsorge und Beratung“.

In den letzten Jahren arbeiteten wir das Konzept wissenschaftlich auf und entwickelten es zu einer Ausbildung, die inzwischen nach dem Qualitätsstandard der ACC (Association Christian Counseling) und der Deutschen Gesellschaft für psychologische Beratung akkreditiert wurde.

Für wen ist die Ausbildung in Emotiv-Schematheoretischer Seelsorge und Beratung (ESSB) geeignet? 

Die Ausbildung zum ESSB Berater und Seelsorger ist für die Personen geeignet, die mit Menschen arbeiten, die an Identitätsproblemen und Strukturproblemen des eigenen Personseins leiden. Oder die aufgrund solcher Identitäts- und Strukturprobleme auch ihre Sexualität konflikthaft erleben.

Unter Identitätskrise verstehen wir die Situation von Menschen, denen es innerpsychisch schwer fällt, die Einheitlichkeit ihres Personseins gegenüber sich selbst und anderen aufrechtzuerhalten. Von Strukturproblemen sprechen wir deshalb, weil in diesen Menschen oft bestimmte ich-strukturierende Funktionen, wie Selbst- und Objektdifferenzierung, die Affektgenerierung und die Affektsteuerung, wenig stark ausgebildet sind.

  • Dazu gehören zum Beispiel Menschen, die aufgrund unterschiedlicher Erlebnisse in der Kindheit ihr eigenes Selbst nur sehr schlecht einschätzen können, ihr Personsein, ihre Gaben, ihre Kreativität nicht als wichtig und wertvoll erachten können.
  • Dazu gehören aber auch Menschen, die Beziehungen schnell als Bedrohung erleben, die andere nicht richtig einschätzen können und daher zu Unterstellungen neigen.
  • Dazu gehören Menschen, die in Bindungen keinen Halt und keine Sicherheit aufbauen können.
  • Dazu gehören Menschen, die ihre Impulse und Emotionen schlecht steuern können.

Bei vielen dieser Menschen sind diese Konflikte schon immer da. Sie kennen gar kein Leben ohne diese Konflikte. Andere haben ein Trauma erlebt und sind so in eine grundsätzliche Verunsicherung ihres Personsein und ihrer Beziehungen geraten. Es gehören dazu aber auch

  • Menschen, die in Folge von Übergängen in Lebensphasen an Identitätskrisen leiden;
  • Menschen, die ihre geschlechtlichen Rolle, ihre Vaterschaft oder Mutterschaft, ihr Mannsein oder Frausein, etc. krisenhaft erleben;
  • Menschen, die ihre Identität nur schwer in eine Partnerschaft integrieren können, was meist zu Partnerschaftskonflikten führt;
  • Menschen, die Reifungskrisen in ihrer Identität und in ihrem Selbst erleben;
  • Menschen, deren Beziehungs- und Identitätskrise zu Suchtverhalten führt oder zu einem Sexualverhalten, mittels dem sie ihre Beziehungs- und Identitätskrise zu stabilisieren suchen.

Was erlernt man in der Ausbildung der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung? 

Wir haben diesen beratenden und seelsorgerlichen Ansatz entwickelt, da die beschriebene Personengruppe in den Gemeinden oft als belastend und schwierig empfunden wird. Nicht zuletzt, weil sie in vielen Lebensbereichen Konflikte haben und eine längere Zeit der Begleitung brauchen, als Menschen, die sich in einer zeitlich begrenzten Lebens- oder Anpassungskrise befinden.

Es gibt im Wesentlichen sieben methodische Arbeitsrichtungen, die in der Ausbildung zum Emotiv-Schematheoretischen Seelsorger und Berater erlernt werden:

1. Die Beziehungsgestaltung: Menschen, die ihre Identität konflikthaft erleben, verhalten sich in beratenden Beziehungen oft ambivalent oder neigen mehr als andere Ratsuchende zu psychologischen Spielen oder Tests. Andere brauchen aufgrund der starken inneren Unsicherheit in ihrer Person Berater, die ihnen in einer zeitlich begrenzten elterlichen Haltung begegnen. In der Ausbildung wird gezeigt, wie man eine helfende Beziehung zu Menschen aufbaut, die zu Misstrauen und daher zu psychologischen Spielen und Tests neigen. Es wird aber auch gezeigt, wie man eine zeitlich begrenzte elterliche Haltung in der Praxis konkret lebt und wie man Menschen, die Beziehungen gern missversteht, trotzdem emphatisch konfrontieren kann, damit Wachstum und Veränderung möglich wird.

2. Die Struktur verstehen und verändern: Menschen mit Identitäts- und Persönlichkeitskonflikten haben häufig soziale Schwierigkeiten, ecken in Beziehungen an, oder haben Lebensmuster, mit denen sie sich selbst schaden. Letztlich nehmen Menschen mit Identitätskrisen und strukturellen Persönlichkeitskonflikten solche Muster selten wahr. Sie merken nur, dass etwas immer wieder schief läuft, können aber ihr eigenes Verhalten oder gar ihre Art Beziehungen zu gestalten, kaum selbst beobachten. Soll sich im Leben dieser Menschen etwas verändern, dann müssen sie sich, die Reaktion in ihrem Personsein und ihre Form der Beziehungsgestaltung selbst beobachten können. - Berater und Seelsorger lernen in der Ausbildung daher, wie sie die Selbstbeobachtung in Ratsuchenden fördern können. Dabei lernt er mit einem schematheoretischen Methodeninventar zur arbeiten. Gleichzeitig lernt er lösende Konzepte, wie die Schulung des erwachsenen Denkens, das Wissen um eine gesunde Lebensbewältigung, etc. so in der Beratung anzuwenden, dass Ratsuchende die Kompetenz der Selbststeuerung aufbauen können. Dadurch verringern sich auf der einen Seite die Probleme im Alltag von Menschen mit Identitätsschwierigkeiten, auf der anderen Seite werden eingefahrene Muster und Schemata im Ratsuchenden dadurch verändert.

3. Die Beziehungen verstehen, verantwortlich gestalten und aus der Vergebung und Versöhnung leben: Die lebenshemmenden Schemata, denen Menschen mit Identitätskonflikten folgen, drücken sich oft in Beziehungsstörungen aus. Nicht selten misstrauen Menschen mit solchen Strukturproblemen in der Persönlichkeit anderen oder sie glauben sich für andere aufopfern oder sich ihnen unterwerfen zu müssen. Aufgrund dieser Problemlage hat sich in der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung ein breites Methodeninventar entwickelt, um solchen Menschen Schritt für Schritt in ein befreites Beziehungserleben zu helfen. In diesen Konzepten kommt aber nicht nur methodisches Wissen aus der Psychologie zum Tragen, diese Konzepte schöpfen auch aus den Quellen der Vergebungs- und Versöhnungsarbeit, wie sie die Bibel vermittelt und wie sie dem Christen durch die vergebende Gegenwart Jesu möglich ist.

4. Die Arbeit mit Emotionen: Menschen, die sich in ihrem Personsein und in ihrem Beziehungserleben nicht richtig wahrnehmen können, haben oft auch Schwierigkeiten ihre eigenen Emotionen wahrzunehmen oder mit ihnen umzugehen. Emotiv-Schematheoretische Seelsorger und Berater erlernen daher Methoden zur Strukturierung von Emotionen. Wichtig ist dies vor allem deshalb, weil Menschen mit Identitätskonflikten oft schlecht mit Frustrationen umgehen können. Denn sie glauben entweder, dass sie ein Leben führen müssen, in denen es keine Schwächen gibt oder sie glauben, dass sie ein Mensch sind, der nur aus Schwächen besteht. Ebenso neigen sie in Beziehungen zum Glauben, dass Menschen, die sie ablehnen, Menschen sind, die sie niemals lieben können. Oder sie glauben, dass sie Menschen immer bei guter Laune halten müssen und schützen sich so vor möglicher Kritik oder Beziehungsverlust. Zentral für den Aufbau eines psychologischen Identitätskonzeptes aber ist, dass ein Mensch sich auch dann noch als wertvoll und begabt empfindet, wenn ein anderer ihn auf eine Schwäche anspricht. Oder, dass er sich nicht dann verlassen und ungeliebt fühlt, wenn sich eine Person einmal abwendet oder eigenen Interessen nachgeht. Damit Ratsuchende dies erlernen können, brauchen Berater und Seelsorger ein Instrumentarium, das ihnen hilft, dass solchen Ratsuchenden der Umgang mit Frustrationen möglich wird. - Dazu gehören Konzepte der Strukturierung von Emotionen, aber auch Konzepte, die zum gelingenden Ausdruck von Emotionen helfen.

5. Überwindung von Beschämung und Beziehungstraumata: Menschen mit Konflikten in der Identität verharren in ihren Mustern und Schemata oft, weil sich in Beziehungs- und Alltagssituationen schnell bestimmte negative, hemmende Gefühle einstellen. Der Grund dafür sind bestimmte Beschämungserfahrungen in der Lebensgeschichte und Beziehungstraumata. In der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung haben wir Konzepte entwickelt, mit denen Ratsuchende unter Anleitung und in narrativer (erzählender) Form sich ihrem emotionalen Konflikt, ihren Beschämungserfahrungen oder ihrem Beziehungstrauma nähern können und auf diesem Weg schrittweise lösen oder eine Lösung vorbereiten können. Dabei spielen Methoden wie die „Unerhörte Geschichte“, das dialogische - reskriptende Gebet oder Methoden der emotionalen Selbstbehauptung eine Rolle. Zentral ist in dieser Arbeit die Beziehung zum dreieinigen Gott, der uns als Vater in unseren Emotionen trägt und versteht, der im Sohn unsere tiefen Ängste am Kreuz getragen hat und der uns im Heiligen Geist tröstet und ermutigt, unser tiefes, inneres Seufzen auszudrücken.

6. Der Rhythmus des gesunden Lebens: Menschen mit Konflikten in ihrer Identität haben oft noch kein stabiles Bild von sich selbst und anderen entwickeln können. In ihrem Alltag haben sie sich daher aus solchen Beziehungen zurückgezogen, die sie in ihrer Identität voranbringen könnten. Oft leben sie im sozialen Rückzug oder sind mit Lebenssituationen überfordert. Der Emotiv-Schematheoretische Seelsorger und Berater lernt daher ein spezielles Methodeninventar, das zu einem „Rhythmus des gesunden Lebens“ hilft. U.a. ist Ziel der Beratungsarbeit, Ratsuchenden in einem gesunden Lebensrhythmus zu coachen, der ihnen hilft, das Abenteuer Leben wieder zu wagen, um auf diesem Weg, langsam in ihrer Persönlichkeit zu wachsen und stabilere Beziehungen aufzubauen. Im „Rhythmus des gesunden Lebens“ sind Schritte der Alltagsbewältigung mit Schritten einer alltäglichen, pragmatischen Glaubenspraxis verbunden.

7. Die Arbeit an der Gottesbeziehung: Menschen mit Identitätskonflikten neigen oft dazu, die Gottesbeziehung und die biblische Botschaft misszuverstehen. Daher gehört die Arbeit am Gottesbild, sowie die Überwindung von lähmenden und magischen Gottesvorstellungen zum zentralen Bestand der Ausbildung. Künftige Berater und Seelsorger lernen, wie man Menschen hilft, eine dialogische, identitätsstiftende Gottesbeziehung aufzubauen, die das Wachstum des Personseins unterstützt und fördert.

Sexualität und Identität 

Zum Kreis der Menschen, für den wir den Ansatz der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung entwickelt haben, gehören auch Menschen, die ihre Sexualität konflikthaft erleben.

Vor allem Christen sollten zwischen Sexualverhalten unterscheiden, das nach den Maßstäben der Bibel problematisch erscheint und Sexualverhalten, das in einer psychischen Problematik begründet ist. In der Begleitung durch die Emotiv-Schematheoretische Seelsorge und Beratung lernen Berater und Seelsorger zwischen den beiden Konfliktlagen zu unterscheiden. Dort, wo Sexualität für einen Menschen zum moralischen Problem geworden ist, braucht es eine andere Begleitung, als dort, wo sich Sexualität mit innerpsychischen Themen verbunden hat.

Konzeptionelle Basis für den psychologischen Zusammenhang zwischen Sexualität und Identität

Der Sexualwissenschaftler und Sexualtherapeut Wolfgang Berner weist auf Entstehungsbedingungen von konflikthafter Sexualität und Bindungstraumata hin.

Er geht davon aus, dass der Mensch in Bindungen, die ihm Halt geben sollen, nach Annahme und Bestätigung für seine Person sucht. Erlebt der Mensch dies in Bindungen nicht, dann kommt die Suche nach Annahme und Bestätigung in einem Menschen nicht einfach zur Ruhe. Vielmehr bleibt der betroffene Mensch auf der Suche, die manchmal in lustmachenden Fantasien mündet, die ihm Annahme, Geborgenheit oder das Gefühl vermitteln, eine vollständige Person zu sein. Dabei ist die Wahl zufällig und findet oft schon früh im Leben eines Menschen statt. Ob sich aus einer solch hoch unbewussten, zufälligen Wahl, dann auch ein stabiles sexuelles Muster entwickelt, ist nicht gesagt. Menschen, die den erlittenen Bindungsverlust nicht durch andere, identitätsstiftende und bedürfnisstillende Bindungen ersetzen können, verbleiben dann in solch illusionären Lösungsversuchen, in denen sich das Thema „Identität“ und „Sexualität“ verknüpft. In die Beratung kommen allerdings nur die Menschen, die unter solchen reparativen sexuellen Mustern leiden.

Andere Sexualwissenschaftler und Psychologen, wie etwa Bernhard Strauß, zeigen, dass solche reparativen sexuellen Muster, auch noch im Erwachsenenalter ausgebildet werden können. Manchmal erst dann, wenn Menschen eine enge Bindung eingehen, in der sie Enge empfinden oder durch die sie sich in ihrem Personsein ständig hinterfragt fühlen.

Beide Wissenschaftler verweisen damit auf den Zusammenhang von Bindungserleben, Selbsterleben und Sexualität. Wenn wir im Rahmen der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung vom Zusammenhang „Identität und Sexualität“ sprechen, dann tun wir dies im Rahmen solcher Theorien. So gehen wir nicht von vornherein davon aus, dass alle möglichen Formen der Sexualität, die nicht der Heterosexualität entsprechen, auf psychischen Bedingungen beruhen. Diesen Zusammenhang kann ein Ratsuchender in sich nur selbst entdecken.

Die Begleitung solcher Konfliktlagen durch psychologische Beratung ist Inhalt der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung.

Was meinen die Worte „Identität“ - „Schema“ - „Emotiv“? 

Was meint Identität? 

Es gibt heute verschiedene Disziplinen, die das Wort „Identität“ verwenden. Die Soziologie und die Psychologie. Unser Begriff der Identität geht auf die psychologische Theorie von Erik H. Erikson zurück und meint die psychische Fähigkeit einer Person, die Einheitlichkeit ihres Personseins über die Zeit in sich und in Beziehung zu anderen, immer wieder neu herstellen zu können. Es gibt sicher bessere Begriffe, wie „Selbst“ und „Objekt“, wie sie Heinz Kohut in seiner Selbstpsychologie entwickelt oder wie sie Otto Kernberg in seiner Objektbeziehungstheorie entwickelt. Die Theorie der Emotiv-Schematheoretischen Seelsorge und Beratung stützt sich zwar auch auf diese Konzepte, trotzdem benutzen wir das Wort Identität, weil es für Ratsuchende griffiger ist.

Was meint das Wort Schema? 

Menschen, die unter Identitätskonflikten leiden, können sich in der Begegnung mit anderen oder allein mit sich, selten ein einheitliches Gefühl ihres Personsein, d.h. ein überdauerndes, krisenbeständiges Identitätsgefühl, aufbauen. Durch Beziehungstraumata oder durch tiefgreifende oder chronifizierende Beschämungserfahrungen (u.a.m.) fällt ihnen die Wahrnehmung von anderen schwer. Vor allem in nahen Beziehungen oder in Beziehungen, in denen Leistung eine Rolle spielt, nehmen sie andere eher als Bedrohung wahr. Gleichzeitig nehmen sie ihr eigenes Personsein eher als schwach, minderwertig oder unbedeutend wahr. Daneben gibt es auch Personen, die sich positiv und omnipotent wahrnehmen. Aber auch diese Personen fühlen sich bedroht, da sie ihr positives und omnipotentes Selbstempfinden um jeden Preis aufrecht erhalten müssen. Diese zeitlich überdauernde, emotional im Menschen stattfindende Bewertung von sich und anderen nennen wir in der Psychologie „Schema“. Ein solches Schema kann heute durch bildgebende Verfahren als aktive Struktur im Gehirn, also als neuropsychologisches Wahrnehmungsschema sichtbar gemacht werden. Man spricht daher auch davon, dass Schemata ins Gehirn eingebrannt sind. Menschen, die einem belastenden Schema folgen, haben trotz allem das Ziel, in Beziehung anerkannt zu werden, einen gewissen Wert für ihre Person zu empfinden oder mit ihren Gaben angenommen zu werden. Daher neigen sie zu einem bestimmten Schema-Coping. So versuchen Menschen mit psychisch bedingten Identitätskrisen Annahme, Selbstwert, etc. für ihre Person durch bestimmte Muster der Unterwerfung, der Aufopferung oder durch Überkompensation zu erreichen. Als Überkompensation bezeichnet man Muster, mit denen ein Mensch sich anklammert, die Grenzen einer anderen Person nicht achtet oder durch übertriebene Perfektion von der Tatsache eigener Grenzen ablenkt. - Schemata und das Schema-Coping führen im Menschen zu psychischen Belastungen und zu Beziehungsbelastungen, denen weitere Schwierigkeiten im Alltag folgen.

Was meint das Wort „emotiv“? 

Da Schemata aufgrund von emotional erlebten Beziehungstraumata entstehen, die nur für eine Veränderung geöffnet werden können, wenn der Mensch lernt mit seinen Emotionen in neuer Weise umzugehen, haben wir unserem Ansatz das Wort „emotiv“ beigestellt. Es verweist letztlich auch darauf, dass wir eine bestimmte, emotionsbezogene Arbeitsweise, wie sie die emotionsfokussierte Therapie lehrt, für die beratende Arbeit nutzbar gemacht haben.