Beratung und Seelsorge swap_horiz

Unser Angebot der Beratung richtet sich an Menschen, die ihre Identität als Frau oder als Mann oder ihre Sexualität konflikthaft erleben. In den über 20 Jahren unserer Arbeit sind wir sehr vielen unterschiedlichen Frauen und Männern begegnet, die sich in ihrer Geschlechtlichkeit, in ihrer Rolle als Frau oder als Mann oder in Beziehungen unsicher und in ihrem Körper unwohl fühlten.

Dazu gehören:

  • Frauen und Männer, die in Beziehungen keine Sicherheit empfinden, die daher mit Verlassenheitsängsten, Scham und Misstrauen zu kämpfen haben.
  • Frauen und Männer, die sich in Beziehungen gefangen fühlen, leicht in Abhängigkeiten geraten oder glauben, sich für andere immer aufopfern zu müssen.
  • Frauen und Männer, die glauben, auf der Suche nach einem Partner niemals ans Ziel zu kommen und sich dann sozial isoliert und vom Leben vergessen fühlen.
  • Frauen und Männer, die Schwierigkeiten im Umgang mit Grenzen haben. Die entweder selbst keine Grenzen setzen können oder mit Grenzen anderer nur schwer umgehen können.
  • Frauen und Männer, die zu Unterwerfung, Selbstaufopferung neigen oder immer zu nach Anerkennung streben müssen, was zu einer Überforderung und ständiger Anspannung führt.

Seit Anfang unserer Tätigkeit sind wir auch Frauen und Männern begegnet, die ihre Sexualität konflikthaft empfinden. Teilweise, weil sich ihre Sexualität mit innerpsychischen Konflikten verbunden hat, teilweise, weil sie für sich definieren, dass ihre Sexualität, ihre sexuelle Ausrichtung mit ihrem Glauben oder ihren moralischen Vorstellungen im Konflikt stehen.

  • Menschen, die in ihrer Partnerschaft sexuell blockiert sind oder scheitern.
  • Menschen, in deren Partnerschaft die Sexualität zum Erliegen gekommen ist.
  • Menschen, die sich als asexuell empfinden.
  • Menschen, die sich als sexuell süchtig erleben.
  • Menschen, die sich als pornografiesüchtig definieren.
  • Menschen, die den häufigen Wechsel von sexuellen Beziehungen als Konflikt empfinden.
  • Menschen, die ihre sexuelle Orientierung konflikthaft empfinden.
  • Menschen, die sich sexuell ausbeuten lassen oder zu sexueller Ausbeutung neigen.

Bis heute wollen wir in unserer Beratung Menschen einen Ort bieten, um ihren Konflikt mit ihrem Frau- und Mannsein oder ihre Sexualität zu verstehen und, wo möglich, zu verändern. Welche Lebensentscheidung dem Verstehen der eigenen Geschlechtlichkeit und Sexualität folgt, ist in die Selbstverantwortung jedes Ratsuchenden gestellt. Für die Beratung ist wichtig, dass zwischen Ratsuchendem und Berater klar vereinbart ist, für welchen Bereich seines Konfliktes er Beratung, Begleitung und - nach freier Vereinbarung - auch seelsorgerliche Hilfe beanspruchen möchte.

Was kann Beratung helfen? 

Unser Ansatz der Beratung ist vor über 20 Jahren aus der Erfahrung der Bewältigung unserer eigenen Identitätskrisen entstanden. Wir selbst, die heute im Institut für dialogische und identitätsstiftende Seelsorge arbeiten, waren von den oben genannten Krisen betroffen. Ein zentraler Faktor der Lösung unserer Identitätskrise war das Verstehen unseres eigenen Konfliktes. Denn man muss seinen Konflikt verstehen, um ihn lösen zu können. Wir arbeiten in der Beratung daher nach dem Grundsatz des „kompetenten Ratsuchenden“. Der Ratsuchende selbst soll seinen Konflikt verstehen.

Verstehen ist aber nur ein erster Schritt. Daher ist das Ziel unserer Beratung verbunden mit dem Wunsch, dass jeder Ratsuchende befähigt wird, seinen Alltag glücklicher und freier zu leben. Dazu gehört die Fähigkeit, in Beziehungen ein sicheres Zuhause zu finden, und die eigene Kreativität und Gabe als Kraft zu entdecken, um das Leben gestalten zu können. In diesem Ziel sehen wir nicht nur die Grundbedingung für ein psychisch und sozial reifes Leben, sondern auch das Ziel für ein Leben in der Nachfolge Jesu. - Da der Weg zu diesem Ziel nur vom Ratsuchenden selbst beschritten werden kann, will unsere Beratung vor allem die Kompetenzen im Ratsuchenden fördern, die ihm ermöglichen, befreiter und gelingender zu leben.

Die Arbeit an der Lösung beginnt mit der Frage:

„Was hat in deinem Leben zur Krise geführt, die du in deinem konkreten Alltag als Angst in Beziehungen oder Selbstunsicherheit, als Scham oder übertriebenen Perfektionismus etc. spürst?“

Der Grund für die Krise liegt oft in der Art und Weise, wie wir die Beziehungen, die uns Halt, Sicherheit und Selbstwert vermitteln sollten, erlebt haben, und wie sich dieses Erleben in unser Gehirn eingebrannt hat. Mit dem Wort Erleben deuten wir an: Bei der Entstehung von inneren Konflikten kommt es nicht immer darauf an, ob Mutter oder Vater wirklich verletzend waren. Vielmehr kommt es darauf an, ob wir in uns diese Beziehung als etwas erlebt haben, das uns zum Leben, zum Vertrauen in Beziehungen und zum Wert unseres Personsein ermutigt hat oder eben nicht. Haben wir sichere Beziehungen nicht als ermutigend erlebt, dann hat sich in der Folge ein Muster oder ein Schema des Zweifels am Leben, an Beziehungen und an unserer Person ausgebildet. Wie wir heute aus der Hirnforschung und aus bildgebenden Verfahren wissen, haben sich diese Muster als sogenannte Schemata in unser Gehirn eingebrannt. Im Leben folgen wir daher schematisch und automatisch diesen Mustern, die schneller funktionieren als bewusstes Nachdenken.

Die Pfeiler unser Beratung sind daher das Verstehen der sich automatisch wiederholenden Muster, und die Veränderung dieser Muster. Da die Muster aber durch den Zweifel an halt- und sicherheitgebenden Beziehungen entstanden sind, ist ein weiterer Pfeiler unserer Beratung die korrigierende Beziehungserfahrung.

Das Verstehen der Muster

Die meisten Menschen, die ihre Identität als Frau oder als Mann krisenhaft erleben, sehen sich täglich Ängsten, Zweifeln, Unsicherheiten, Scham etc. ausgesetzt. Oft erleben sie sich gegenüber diesen Gefühlen als ohnmächtig. Indem der Ratsuchende unter Begleitung des Beraters lernt, die inneren Wahrnehmungsmuster und seine äußeren Beziehungsmuster zu erkennen, entsteht in ihm ein Verstehen, das ihm die Kompetenz über sein Leben zurück geben soll. Dazu arbeiten wir in der Beratung mit einem bestimmten Modell, mit dem jeder Ratsuchende sein Inneres verstehen und im Verlauf der Beratung in eine neue Richtung steuern kann. Das Modell, mit dem wir das Verstehen von Ratsuchenden fördern, haben wir mit Betroffenen gemeinsam entwickelt und kann heute am ehesten mit dem Modus-Modell der Schematherapie verglichen werden.

Das Verändern der Muster 

Über die Jahre haben wir gelernt, dass Menschen ihre Muster nicht dann verändern, wenn sie verstehen, was in ihrem Leben falsch läuft. Vielmehr verändern sich Menschen am Modell des gesunden und gelingenden Lebens. Daher beginnt die verändernde Arbeit mit dem Verstehen dessen, was gesundes und freies Leben ist. Dieses Wissen wird dann schrittweise auf die Veränderung der eingefahrenen Muster angewendet. Damit verbunden ist eine Veränderung der Wahrnehmung von Beziehungen, die Umsetzung von Bedürfnissen nach Annahme, Selbstsein, Kreativität und Ich-Abgrenzung. Im Prozess dieser Veränderung spielen Vergebung und Versöhnung, die Klärung von Beziehungen, das Einsetzen für eigene Ziele, der Umgang mit Frustrationen und Lebensbegrenzungen und vor allem die Erlangung von emotionaler Freiheit eine entscheidende Rolle.

Die korrigierende Beziehungserfahrung

Da der Ursprung für die Muster und Schemata, die Ratsuchenden heute Probleme machen, in der Wahrnehmung von Beziehungen liegt, spielt in unserer Beratung die partiell korrigierende Beziehungserfahrung eine wichtige Rolle. Vor allem soll der Ratsuchende die Beratung als ein „nach Hause kommen“ verstehen. Dabei nimmt der Berater eine Art „nachbeelternde“ Rolle ein, indem er den Ratsuchenden zu einem befreiten Leben ermutigt, mit ihm seine Rückschläge versteht und ihm hilft, sich in den Augen von Menschen neu, als kreativer, begabter und angenommener Mensch wahrnehmen zu können. Der Ratsuchende soll durch die „nachbeelternde“ Haltung des Beraters zu einem selbständigen Leben als erwachsener Mensch begleitet werden. Der Ratsuchende soll aber auch wissen: er ist auf diesem Weg nicht allein, sondern kann bereits in der Beziehung mit dem Berater lernen, wie Leben, wie der Umgang mit Frustrationen und wie der Umgang mit schwierigen Emotionen gelingen kann. Dadurch wird die Beziehung zwischen Ratsuchendem und Berater bereits zum Lernort neuer Muster und Schemata.

Voraussetzung für die Beratung 

Eine Beratung, in der der Ratsuchende seine Muster versteht und aktiv verändert, bedingt die Bereitschaft, an seinem Konflikt wirklich arbeiten zu wollen: in jeder Beratungssitzung und im Alltag. Damit ist ebenso die Bereitschaft verbunden, in den alltäglichen Konflikten die Spuren vergangener Beziehungserfahrungen zu verstehen, wie sich auf das Abenteuer neuer Beziehungserfahrungen einzulassen. Manchmal muss man dazu die Wohlfühlzone, in die man sich aufgrund seines Konfliktes zurückgezogen hat, verlassen. Denn nur dort, wo ich mich mit Menschen und Beziehungen umgebe, die mich zu neuen Beziehungserfahrungen herausfordern, kann Veränderung geschehen. Zur verändernden Arbeit gehört daher auch die Veränderung des sozialen Netzes. Unser Motto dabei ist: Veränderung hat etwas mit Veränderung zu tun! Wer sein Leben behutsam, aber gezielt verändern will, dabei aber auch Angst spürt und Zweifel hat, sich aber trotzdem auf Begleitung einlassen will, findet bei uns offene Türen.

Was kann Seelsorge helfen? 

Psychologische Beratung und Seelsorge haben für viele Christen nichts miteinander zu tun. Es muss daher gefragt werden: Wie kann Seelsorge bei psychischen Konflikten und Identitätsschwierigkeiten überhaupt helfen?

Wie Seelsorge bei psychischen Konflikten helfen kann, kann man verstehen, wenn man sich bewusst macht, dass psychische Konflikte ihren Ursprung in solchen Beziehungen haben, die uns Halt und Sicherheit hätten geben sollen. Wie die Bindungsforschung und die Säuglingsforschung heute wissenschaftlich belegen, bilden sich durch die Bindungen zu unseren Eltern und zu Pflegepersonen Muster in uns aus, die uns befähigen, Beziehungen zu vertrauen, und uns selbst als eigenständige und kreative Person zu erfahren. Wo Bindungen krisenhaft wahrgenommen wurden, bilden sich Muster der Angst, des Misstrauens, des Selbstzweifels etc. aus, durch die dem Menschen der Weg zu einem befreiten Beziehungs- und Selbsterleben versperrt ist.

Die Frage, wie Seelsorge bei psychischen Konflikten helfen kann, ist damit noch nicht beantwortet. Auf eine grundlegende Tatsache weist uns die wissenschaftliche Psychologie heute aber hin: Der Mensch wird am Du zum Ich (Martin Buber). Ein Blick an den Anfang der Bibel (Genesis 1 und 2) oder in den Prolog des Johannesevangeliums (Johannes 1) genügt, um festzustellen: Auch die Bibel bezeugt, dass der Mensch am Du zum Ich wird. So kommt der Mensch durch das Angesprochensein Gottes zu seinem Selbstverständnis als Ebenbild Gottes (Genesis 1). Und er gewinnt durch die Aufnahme Jesu in seinem Herzen die Gotteskindschaft (Johannes 1). Die Beziehung zu Gott und die Identität unseres Frau- und Mannseins stehen also in einem engen Zusammenhang. - Damit deutet sich an: Gott macht uns ein Beziehungsangebot, durch das er das Innerste unseres Personseins als Frau und als Mann berühren, segnen und stärken will. Damit ist gesagt: Die psychologische Frage nach Identität ist schon immer auch eine geistliche Frage und umgehkehrt: In der Frage nach unserem Frau- und Mannsein ist schon immer die Frage nach Gott eingelagert, der uns unsere Bestimmung und den Sinn unseres Daseins letztursprünglich zuspricht. Daher verändert die Beziehung zu Gott nicht nur unser geistiges Bewusstsein über uns selbst; vielmehr sind wir in unserer Beziehung zu Gott immer schon als psychische Wesen angesprochen und erfahren darin ein wesentliches Mittel zur Veränderung von Konflikten in unserem Leben.

Dabei hat die Beziehung zu Gott schon immer einen verändernden und heilenden Effekt gegenüber allen anderen Beziehungen: Denn Gott ist treu. Er ist treu als der Vater, der uns unsere Ebenbildlichkeit zuspricht, und der uns als Träger seines Ebenbildes begegnen will. Er ist treu als der Sohn Gottes, der für uns stirbt und uns durch seine Auferstehung den Weg frei macht, dass wir Kinder Gottes heißen können. Und er ist treu im Heiligen Geist, mit dem Gott uns ganz nahe kommt, in dem er mit unserem Geist redet, uns tröstet und uns lebendig macht (vgl. Römer 8).

Unser seelsorgerliches Arbeiten mit Ratsuchenden steht auf dieser hier nur skizzenhaft angedeuteten Basis.

​Ziel der Seelsorge - Die Heilung der Gottesbeziehung

Frauen und Männer, die ihre Identität oder ihre Sexualität krisenhaft erleben, haben es oft schwer, Gottes Treue als Vater, Sohn und Heiliger Geist auf ihr Leben und ihr Personsein zu beziehen. Nicht selten fühlen sie sich von Gott verlassen oder enttäuscht. Wieder andere haben Gott und den christlichen Glauben als etwas Angstmachendes oder Bedrohliches erfahren. Und manche betroffene Menschen glauben, dass sich erst durch skrupulöse Befolgung von religiösen Inhalten etwas in ihrem Leben verändern kann.

In der Seelsorge arbeiten wir daher mit Ratsuchenden an einem biblisch fundierten Gottesbild, mit dem wir jeden Einzelnen mit einer persönlich gestalteten, lebendigen, dialogischen Gottesbeziehung bekannt machen wollen.

So sehen wir in der Seelsorge nicht eine Disziplin, die sich ganz anders als die Psychologie auf den geistigen Teil des Menschen bezieht. Vielmehr sehen wir die Seelsorge als Chance zu einer Beziehungserfahrung mit Gott, die mehr als andere Beziehungserfahrungen helfen kann, sich ganzheitlich - geistlich und psychisch - in seinem Frau- und Mannsein zu empfangen.

Überwindung krankmachender Gottesbilder 

Daher wollen wir Ratsuchenden helfen, krankmachende, dunkle, lebensfeindliche Gottesbilder in ihrem Leben zu identifizieren.

  • Wir wollen helfen, den dreieinigen Gott als lebensschaffendes Gegenüber erfahren zu können.
  • Wir wollen helfen, magische und skrupulöse Glaubenspraktiken zu verhindern, indem wir mit Ratsuchenden an einem inhaltsbestimmten und biblisch fundierten Gottesbild arbeiten.
  • Wir wollen helfen, falsche Schuldgefühle auszuräumen und zu einer Glaubenspraxis zu finden, in der sich der Mensch vor Gott verantwortet.
  • Wir wollen helfen, Vernachlässigung, Verletzung, Missbrauch und viele andere Lebenswunden im Licht der biblischen Verkündigung zu verstehen, und wollen den dreieinigen Gott bekannt machen, der immer schon unser Leben gewollt und sich daher in Christus mit dem ungerechten Leiden, das uns widerfahren ist, eins gemacht hat.

Lebendige Glaubens- und Lebenspraxis 

Daher arbeiten wir mit den Ratsuchenden, die das wünschen, an einer Glaubenspraxis, die zum personalen, dialogischen Leben mit dem dreieinigen Gott hilft.

  • Dazu gehört das lebendige Lesen der Heiligen Schrift und die Erfahrung, dass Gott uns durch sein Wort anspricht.
  • Dazu gehört das dialogische Gebet mit dem dreieinigen Gott, der nicht nur angebetet werden will, sondern der uns täglich als Du begegnen will.
  • Dazu gehört, dass Ratsuchende lernen, ihr Leben aus dem liebenden, aber auch herausfordernden Blick Gottes wahrzunehmen.
  • Dazu gehört eine Anleitung, wie wir aus dem Gnadengeschenk der Sakramente Leben schöpfen und Gott als ein Du erfahren können, das uns wirklich versorgt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Weil jeder einen individuellen Glauben hat, können wir den persönlichen Glaubensweg von Ratsuchenden nur im gemeinsamen Hören unterstützen. Richtschnur dabei ist allein die Heilige Schrift und die Lehre der Kirche.